01.12.14 Filmprojekt Braunschweig

01.12.14 Filmprojekt Braunschweig

Bericht des VSE: „Lesben und Schwule in der Schule – ein LGBT-Filmprojekt

dieses Jahr fand das Sommerlochfestival | CSD Braunschweig bereits zum 19. Mal statt. Das
Schwerpunktthema 2014 beschäftigte sich mit Homonegativität in Schulen. Erstmals wurde dazu ein
großangelegtes Filmprojekt „Lesben und Schwule in der Schule – ein LGBT-Filmprojekt“ (LGBT =
Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/gender) geplant. Schulklassen und Jugendgruppen ab der 8.
Klasse sollten Filmspots bzw. Kurzfilme für einen Wettbewerb produzieren (max. 7 Minuten). Die
Filme sollten aus der Lebenswelt der Schüler_innen erzählen und einen konstruktiven Beitrag zur
Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Lebensweisen leisten.

Ziel
Ziele des Projekts waren, eine bejahende Einstellung zur Vielfalt zu fördern und Schülerinnen und
Schüler für das Thema Homonegativität an Schulen zu sensibilisieren.

Die teilnehmenden Gruppen
Es haben sich rund 100 Schülerinnen und Schüler von drei Schulen am Wettbewerb beteiligt: In
Braunschweig nahm der 12. Jahrgang der Johannes-Selenka-Schule und eine Gruppe von Jugendlichen
der 7. Klasse der Nibelungen Realschule, die in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendzentrum
Rühme/Veltenhof arbeitet, teil. Aus Goslar entschied sich eine 12. Klasse der BBS
Baßgeige/Seesen für die Teilnahme am Wettbewerb.

Kooperationen
Die – für viele Jugendliche erstmalige – inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema
Homosexualität/Homonegativität, fand in Kooperation mit SchLAu Braunschweig, dem Schwul-
Lesbischen Aufklärungsprojekt des VSE e.V., statt. Die öffentliche Filmvorführung der Wettbewerbsfilme
fand in Kooperation mit dem C1 Cinema und der VSE Untergruppe „QueerCinema“ statt.

Der Wettbewerb
a) Vorbereitung
Das Projekt „Lesben und Schwule in der Schule – ein LGBT Filmprojekt“ wurde an 154 Schulen und
Jugendgruppen in Braunschweig, Wolfenbüttel, Salzgitter, Peine, Helmstedt, Wolfsburg, Goslar und
Hildesheim per Informationsbrief beworben. Ein Projektflyer wurde entworfen, gedruckt und an die
Schulen verschickt.
Im Februar 2014 kamen interessierte Lehrerinnen und Lehrer zu einem Informationsabend im
queeren Zentrum „Onkel Emma“ zusammen, um sich über die genauen Teilnahmebedingungen zu
informieren und inhaltliche, rechtliche und technische Fragen zum Wettbewerb zu besprechen.
Die Idee der filmischen Auseinandersetzung stieß bei allen Teilnehmern auf reges Interesse. Es
wurde seitens der Lehrerinnen und Lehrer betont, dass Aufklärung über sexuelle Vielfalt im Rahmen
eines Filmwettbewerbs eine gute Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler sei, sich ernsthaft mit
dem Thema auseinander zu setzen, da die Schülerinnen und Schüler weitestgehend selbstständig
und in einem altersgerechten Medium arbeiten, in dem sie ihre eigene Sicht auf das Thema zum
Ausdruck bringen können. Zum Stichtag 1.4.2014 haben sich drei Schulen mit 16 Filmteams
verbindlich zum Wettbewerb angemeldet.

b) Information
Die Schülerinnen und Schüler wurden Klassenweise von ihren jeweiligen Lehrkräften betreut.
Darüber hinaus haben sie das Angebot angenommen, bei Bedarf mit anderen Untergruppen des VSE
e.V. zusammen zu arbeiten, um eine fundierte Einsicht in das jeweilige Filmthema (z.B. Transsexualität)
zu erlangen.
Die vom Projektteam angeregte Kooperation zwischen den teilnehmenden Schulen und dem
schwul-lesbischen Schulaufklärungsprojekt „SchLAu Braunschweig“ wurde ebenfalls angenommen
und Workshops in der Johannes-Selenka-Schule in Braunschweig und an der BBS Goslar
Baßgeige/Seesen durchgeführt. Die projektbegleitende Informationswebseite (www.sommerloch-bs.de/filmprojekt) wurde rege
besucht und die Ansprechpersonen der teilnehmenden Schulen standen im steten Austausch mit
Corinna Melcher, die das Filmprojekt sowohl in filmisch/technischer als auch thematischer Hinsicht
begleitet hat.

c) Wettbewerb
Die Gruppen haben weitestgehend selbstständig an ihren Filmen gearbeitet. Ein Besuch der
Organisatoren zur Halbzeit des Wettbewerbs an den teilnehmenden Schulen zeigte, dass die
Auseinandersetzung auf hohem Niveau stattfand: Es gab Filmideen zu den Themen Homosexualität
im Fußball, Transsexualität, Outing in der Schule und zur hohen Selbstmordrate unter homosexuellen
Menschen.
Auch das Medium Film wurde begeistert angenommen. Die beiden Berufsschulen mit dem
Schwerpunkt Medien und Gestaltung zeigten technisches und filmisches Knowhow und bewiesen
mit ihren Filmen, dass sie ihre mitunter anspruchsvollen inhaltlichen Ideen filmisch einwandfrei
umsetzen konnten. Das zeitgemäße Medium, das den Jugendlichen durch YouTube und andere
Kanäle hinlänglich bekannt ist, erwies sich als adäquate Möglichkeit dem anfangs mit Berührungsängsten
verbundenen Thema Homosexualität/Homonegativität an Schulen zu begegnen.
Am 1.7. reichten 16 Gruppen fristgerecht ihre Wettbewerbsfilme beim VSE e.V. ein.

d) Öffentliche Filmvorführung
Am 15. Juli 2014 fand die öffentliche Vorführung aller zugelassenen Wettbewerbsfilme statt. So
wurden die Filme auch außerhalb des Klassenzimmers einem größeren Publikum zugänglich
gemacht. Bei dieser Veranstaltung sichtete ebenfalls die vierköpfige Fachjury die Wettbewerbsfilme,
um dann zusammen mit dem Publikumsvoting die drei Gewinner zu ermitteln. Per Stimmzettel
haben die rund 150 Gäste der Veranstaltung ihre drei Lieblingsfilme gewählt. Thomas Herrmanns
(Juryvorsitz), Jana Schnür (bisexuelle Schülerin aus Braunschweig), Aurel Jensen (Kurzfilmprofi vom
internationalen Filmfest Braunschweig) und Anna-Kristin Braunisch (Stiftung Braunschweigischer
Kulturbesitz) haben die Filme als Fachpersonen mit jeweils unterschiedlichem Hintergrund
bewertet. Durch die Besetzung der Jury durch zwei Frauen und zwei Männer, homo- und heterosexueller
Orientierung und eine Schülerin, die die Sicht der Jugendlichen teilt, entstand ein
ausgewogener Blick auf die Filme. Ein abschließendes Feedback der Jury über alle Wettbewerbsfilme
bescheinigt ihnen durchgehend hohe Qualität sowohl aus filmisch/technischer Sicht, als auch
insbesondere auf inhaltlicher Ebene.

e) Siegerehrung
Im Rahmen des Sommerlochfestivals | CSD fand die öffentlichkeitswirksame Siegerehrung der drei
Gewinnerfilme statt. Während der 30-minütigen Veranstaltung auf der Hauptbühne wurden die
Gewinner bekannt gegeben und die Preisgelder aus Drittmitteln in Höhe von 1000 €, 500 € und
250 € an die Preisträger überreicht. Die drei Wettbewerbsfilme wurden erneut gezeigt und so dem
breiten Publikum des Sommerlochfestivals zugänglich gemacht.
Die Schülerinnen und Schüler waren auf dem Schlossplatz versammelt, da die Gewinner nicht
vorzeitig informiert wurden. So hatten sie Gelegenheit die Großveranstaltung CSD mitzuerleben,
authentische Eindrücke zu sammeln und sich ein eigenes Bild zu machen.

f) DVD
Die Wettbewerbsbeiträge wurden auf DVD veröffentlicht. Ca. 70 Stück wurden gegen eine
Schutzgebühr verkauft.

Fazit
Nicht nur die eigene Wahrnehmung aus Sicht der Veranstalter_innen, sondern auch das Feedback
der Fachjury sowie der Lehrkräfte bescheinigen den Erfolg des Projekts. Die hohe Anzahl der
Wettbewerbsbeiträge (16 Filme) spricht für ein reges Interesse der Schülerinnen und Schüler und
deren Schulen, sich mit dem Thema Homosexualität/Homonegativität an Schulen auseinander zu
setzen.
Die inhaltliche Vielfalt der Filme – insbesondere der Gewinnerfilme – zeigt, dass auch die Auseinandersetzung
mit schwierigen Themen wie Transsexualität und Selbstmordrate unter Homosexuellen
auf hohem Niveau möglich ist und eine generelle Sensibilisierung für das Thema
Homosexualität an Schulen stattgefunden hat. Die Filme bringen aus Sicht der Schülerinnen und
Schüler Ängste und Vorurteile zum Ausdruck, zeugen aber insgesamt von Toleranz und Verständnis.
Sie scheuen sich nicht auch negative Seiten zu zeigen und fordern zu Akzeptanz und zum Nachdenken
auf.
Der Besuch des Sommerlochfestival | CSD Braunschweig in Verbindung mit der Siegerehrung ist eine
gute Gelegenheit sich dem Thema Homosexualität auch in der eigenen Lebenswelt zu nähern. Die
Sicherheit, die das Medium Film bietet, ist in der Öffentlichkeit weitestgehend genommen – die
Reaktion des Publikums auf den eigenen Film und die positive Erfahrung auf der Bühne zu stehen, und einen Preis entgegen zu nehmen, bringt Vertrauen in den eigenen (noch fremden) Umgang mit
Menschen anderer sexueller Orientierung.

Durch die inhaltliche Begleitung durch Untergruppen des VSE e.V. (SchLAu und z.B. Trans*lions –
eine Selbsthilfegruppe für transsexuelle/-idente Menschen) wurde die fachliche Auseinandersetzung
sichergestellt. Diese Möglichkeit sollte in jedem Fall zur Verfügung stehen, um einen reflektierten
und bewussten Umgang mit schwierigen Themen zu gewährleisten.

Die technische Umsetzung der Filme (wie kann ich meine Idee filmisch gut und überzeugend
umsetzen?) erforderte einige Bemühungen, ist jedoch nicht zuletzt durch den Schwerpunkt Medien
und Gestaltung der Berufsbildenden Schulen weitestgehend vorbildlich gelungen.
Sollte das Projekt wiederholt werden, wäre darauf zu achten, dass gerade technische und rechtliche
Aspekte bei der Filmerstellung nicht zu kurz kommen. Dem Film der 7. Klasse ohne Schwerpunkt
Medien und Gestaltung, war anzusehen, dass er mit weniger gutem Equipment auskommen musste.
Ein Film wurde trotz wiederholtem Hinweis auf die Rechtelage vom Wettbewerb ausgeschlossen, da
keine rechtefreie Musik benutzt wurde. In Zukunft wäre darauf zu achten, dass die qualifizierte
rechtliche und technische Beratung, von mehr Filmteams in Anspruch genommen wird.

Der Wunsch das Projekt zu wiederholen, wurde mehrfach von unterschiedlicher Seite geäußert. Als
Projektleiterin würde ich eine Wiederholung ebenfalls begrüßen, da sich gezeigt hat, dass der
Rahmen der Auseinandersetzung durch das Medium Film viel Zuspruch seitens der Schülerinnen und
Schüler erfahren hat. Berührungsängste mit dem Thema Homosexualität wurden genommen. Die
Vielfalt der Filme zeigt das Interesse der Schülerinnen und Schüler, ihre Sicht/Meinung/Erfahrung
bezüglich Homosexualität auszudrücken. Dieses Interesse zu fördern und eine bejahende Einstellung
der Jugendlichen zur Vielfalt zu unterstützen, ist nicht nur Wunsch und Aufgabe des VSE e.V.
sondern liegt letztendlich im Interesse all derjenigen Menschen, die nicht der heterosexuellen Norm
entsprechen.