MOSAIK Gesundheit – ein Projekt für lesbische, bisexuelle und queere Frauen*

MOSAIK Gesundheit – ein Projekt für lesbische, bisexuelle und queere Frauen*

MOSAIK Gesundheit - ein Projekt für lesbische, bisexuelle und queere Frauen*

Unter den 74 Handlungsempfehlungen, die im Vorfeld der Kampagne „Für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt* in Niedersachsen“ im landesweiten Beteiligungsverfahren erhoben wurden, stand bei den Bedarfen für lesbisches Leben mit ganz oben auf der Liste: Maßnahmen zur besseren Gesundheitsversorgung lesbischer, bisexueller und queerer Frauen* in Niedersachsen. Das LiN-Projekt dazu startete im September 2017 in die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung. Landeskoordinatorin Jessica Lach erarbeitete in Kooperation mit Edith Ahmann vom Frauen- und Mädchen Gesundheitszentrum Hannover (FMGZ) den Themenkanon.

2018 wird es bei MOSAIK zahlreiche Impulsveranstaltungen, wie Vorträge, Workshops und Lesungen geben, die sich den verschiedenen Facetten des Themenspektrums widmen. Außerdem werden viele Infos zu den Themen und den im Land bereits vorhandenen Anlaufstellen und Angeboten gedruckt und online publiziert.

Am 18. Oktober 2018 veranstaltet das Netzwerk Frauen/Mädchen und Gesundheit in Kooperation mit MOSAIK Gesundheit die jährliche Fachtagung des Netzwerks unter dem Titel: „Unsichtbare Facetten? – Einsteig in die Gesundheitsversorgung lesbischer, bisexueller und queerer Frauen*“. Das Netzwerk wird getragen von pro familia LV Niedersachsen, SoVD LV Niedersachsen e.V., dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und GLeichstellung, dem FMGZ Region Hannovere.V. und der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen.

Ab voraussichtlich Frühjahr/Sommer 2018 wird parallel zu alledem die feste Angebots- und Beratungsstruktur in Niedersachsen zu einem geografisch und thematisch gut ineinander greifenden Netz weiterentwickelt. Hierfür sind sowohl Qualifizierungen für bestehende Akteur_innen, als auch punktuell neue Angebote notwendig und vorgesehen.

Hintergründe

Frauen*liebende Frauen* nutzen signifikant seltener als der Bundesdurchschnitt die Angebote des Gesundheitssystems. Das hat Ursachen und Folgen – mit MOSAIK Gesundheit sollen darum in Niedersachsen bestehende Lücken geschlossen, Ursachen bearbeitet und negative Konsequenzen reduziert werden.

Ein Ausgangspunkt ist, dass frauen*liebende Frauen* bisher bei Gesundheitsthemen nicht ausreichend berücksichtigt werden und der fachlich-kompetente Umgang zu ihren Gesundheitsthemen ausbaufähig ist. Im Bereich sexuell übertragbarer Krankheiten herrscht beispielsweise der Mythos, lesbisch* zu lieben sei „die beste Prävention“.

Eines der zentralen MOSAIK-Ziele ist der Aufbau eines dezentralen, flächendeckenden Beratungsangebotes, möglichst in Kooperation mit bestehenden Strukturen. Hierzu gehört auch die Qualifizierung von Fachleuten aus Medizin, Psychotherapie und Beratung.

Darüber hinaus sollen lesbische, bisexuelle und queere Frauen* sich in neuen oder neu vernetzten Angeboten wiederfinden und zu ihren gesundheitlichen Themen sensibilisiert werden.


Ziele

Kompetenzen in Partnerschaften und Familien stärken

MOSAIK trägt zu (selbst-)sicheren Beziehungen und Familiengründungen oder selbstbestimmte Lebensgestaltung bei und stärkt damit das „psychische Immunsystem“ der Zielgruppen.

Facetten: Gewalt in Beziehungen | Elternschaft | Leben im Alter | Beziehungsformen

Selbstfürsorge steigern

MOSAIK empowert lesbische, bisexuelle und queere Frauen*, ihre Gesundheit ganzheitlich zu betrachten und aufgeklärte Entscheidungen zu treffen.

Facetten: Diverse Körper (Body- und Sexpositivität) | Alter | Behinderung | Frauen* of Color | Mehrfachdiskriminierung begegnen

Zugänge zur Gesundheitsversorgung verbessern

MOSAIK identifiziert oder schafft zielgruppenspezifische Gesundheitsangebote und landesweite (Erst-)Anlaufpunkte für lesbische, bisexuelle und queere Frauen*.

Facetten: Sexuelle Gesundheit | Beratung zur psychischen Gesundheit | Brustgesundheit und Krebserkrankungen | Kompetenzaufbau bei/Sensibilisieren von lesbischen, bisexuellen und queeren Frauen*

Synergien

Um Versorgungslücken zu schließen und Hürden abzubauen, fördert MOSAIK gemeinsam mit Partnerprojekten und dem Queeren Netzwerk Niedersachsen ein trans*- und queerkompetentes Gesundheitssystem, in dem (auch unbewusste) Diskriminierung und „blinde Flecken“ im Wissensspektrum der Fachleute zügig und weitgehend reduziert werden.

Beispiele

Alter

Ältere lesbische, bisexuelle und queere Frauen* haben einen anderen Bedarf an gesundheitlicher Versorgung als die Jüngeren. Es stellen sich Fragen wie „Wie möchte ich im höheren Alter leben?“, „Wie werde ich versorgt?“ usw. Im Rahmen des Projektes sollen diese Themen eine Sichtbarkeit bekommen.

Gesundheitsversorgung

Lesbische, bisexuelle und queere Frauen* sind stärker von Diskriminierung betroffen, als heterosexuelle Frauen*. Die Diskriminierungserfahrungen können sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit auswirken. Viele Frauen* erleben Diskriminierung auch im Gesundheitssystem selber. Diese Diskriminierungserfahrungen können dazu führen, dass lesbische, bisexuelle und queere Frauen* beispielsweise einem höheren Krebsrisiko ausgesetzt und anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Suchterkrankungen sind.

Gewalt in Paarbeziehungen zwischen Frauen*

Die Gewalt in Paarbeziehungen ist nach wie vor ein tabuisiertes und stigmatisiertes Thema. Auch Frauen*, die in Paarbeziehungen mit Frauen* leben, können Gewalt erleben. Wir möchten dem Thema Sichtbarkeit geben und auf die Beratungsangebote in Niedersachsen aufmerksam machen.

Sexuelle Gesundheit

Vor allem lesbische, bisexuelle und queere Frauen* wägen sich noch immer sicher vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Wir wollen informieren, welche STI sich wie von Frau* zu Frau* übertragen können und wie du dich davor schützen kannst, damit dem sexuellen Vergnügen nichts im Wege steht. Nur wer sich informiert und schützt, bleibt gesund und schützt damit auch andere. Denn: Sex macht Spaß!

Beziehungsformen

Jeder Mensch ist individuell und so auch Beziehungsformen. Wir möchten alle lesbischen, bisexuellen und queeren Frauen* in Niedersachsen ansprechen, ganz gleich wie individuell Beziehungen gelebt oder nicht gelebt werden. Egal ob mit der Partner*in für´s Leben, monogam, polyamorös, asexuell, aromantisch oder als überzeugte Alleinlebende. Egal ob ohne Kinder, mit leiblichen oder adoptierten Kindern.

Körper

Uns ist wichtig, dass alle Körper schöne und gute Körper sind, egal ob dick, dünn, groß, klein, mit oder ohne Behinderung. Wir sehen unsere Aufgabe nicht darin, die vorherrschenden Schönheitsideale oder Normvorstellungen von Körpern zu bestärken, sondern wollen uns dem entgegenstellen. Wir wollen, dass sich alle lesbischen, bisexuellen und queeren Frauen* mit ihrem Körper gut fühlen und damit ihr psychisches Immunsystem stärken.

Queere Frauen* of Color

Lesbische, bisexuelle und queere Frauen* of Color werden in unserer Gesellschaft häufig mehrfach diskriminiert. Wir sind selbst nicht von Rassismus betroffen, aber haben den Anspruch, rassismuskritisch zu arbeiten. Um für lesbische, bisexuelle und queere Frauen* of Color Räume zu schaffen, wird es beispielsweise einen Workshop explizit nur für lesbische, bisexuelle und queere Frauen* of Color geben.


Kontakt

MOSAIK Gesundheit
Ein Projekt für lesbische, bisexuelle und queere Frauen* in Niedersachsen

MOSAIK Gesundheit
Landeskoordinatorin Jessica Lach
c/o FMGZ Hannover
Escherstr. 10 | 30159 Hannover
lach [at] q-nn [punkt] de | 01590 – 36 82 688
www.mosaikgesundheit.de


In Trägerschaft von:
LiN – Lesbisch in Niedersachsen im QNN
Geschäftsführerin Friederike Wenner
Queeres Netzwerk Niedersachsen e.V.
Asternstr. 2 | 30167 Hannover
lin [at] q-nn [punkt] de | 0511 – 54 61 80 05
www.lesbisch-in-niedersachsen.de


Termine im Projekt MOSAIK Gesundheit

Termin Informationen:

  • Di
    17
    Jul
    2018

    Vortrag: Laura Méritt „Frauenkörper neu gesehen“

    19:00 UhrAbspann im Universum Kino, Neue Straße 8, Braunschweig

    Körperbilder verändern sich im Laufe der Zeit, sind kulturell geprägt und gesellschaftlich normiert. In den 1970er Jahren wiesen die Frauengesundheitszentren darauf hin, wie stark Frauen auch in der rein anatomischen Beschreibung als mangelhafte Wesen dargestellt wurden.

    • Laura Méritt ist Sexpertin und sexpositive Feministin aus Berlin
    • Eintritt frei
    • gefördert aus Mitteln des Landes Niedersachsen
    • eine Veranstaltung von MOSAIK Gesundheit in Kooperation mit dem CSD Braunschweig im Rahmen von: Sommerlochfestival | CSD Braunschweig 2018 – Motto „Aufklärung schafft Akzeptanz"



Wir verwenden die Schreibweise Frauen*, da lesbische, bisexuelle und queere Frauen* über vielfältige Erfahrungen und Lebensläufe verfügen.